Stand der Dinge

Es ist Zeit für einen Film über Ita Wegman

Aktuell laufen Filme über bemerkenswerte Frauen des letzten Jahrhunderts in den Kinos: über die Tänzerin Loïe Fuller, die zweifache Nobelpreisträgerin Marie Curie, die Malerin Paula Modersohn-Becker, die Psychoanalytikerin Lou Andreas-Salomé; alles im Rückblick auf eine Zeit, in der Frauen das Studium der Medizin nur im weltoffenen Zürich gestattet war, in der sie nicht wählen oder ohne den Gatten Verträge unterschreiben durften. Trotzdem sind es keine feministischen Filme. Es sind sorgsam skizzierte Portraits, die lebendig machen, dass Frauen ihren eigenen Weg mit Hilfe der eigenen Überzeugungen und aus eigener Kraft gehen. Es ist Zeit für einen Film über Ita Wegman.

Sie war eine der großen Frauengestalten des frühen 20. Jahrhunderts und ist es bis heute durch ihre Bedeutung für die Medizin, für ein individuelles und soziales Menschenbild und für das Rollenverständnis von Frauen. Mit der Realisation des Filmprojekts nutze ich die Gelegenheit, mich intensiv mit der Geschichte der Anthroposophie und mit der Zeit- und Ideengeschichte des letzten Jahrhunderts zu befassen. Eben erst habe ich einen Ausstellungskatalog mit dem Titel „Okkultismus und Avangarde – 1900-1915“ gefunden, herausgegeben im Jahr 1995 von der Schirn Kunsthalle Frankfurt. Die Lebensreformbewegung war nur eine Erscheinung in der Gemengelage jener Zeit.

Die Online-Publikumsbefragung auf dieser Seite lieferte teilweise ziemlich interessante Ergebnisse. Bei dieser Befragung unterschieden wir zwischen der anthroposophischen Bewegung eher nahestehenden und eher nicht nahestehenden Personen. Letztere Gruppe äußerte sich entschieden interessierter an einem Film zu Ita Wegman. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank für die Teilnahme. Wichtige Hinweise bekam ich für die Themenvertiefung, beispielsweise dass die Geschichte Ita Wegmans ohne Rudolf Steiner unvollständig erzählt wäre, auch wenn sie nie in seinem Schatten stand. Beide verband eine große Freundschaft.

Der Sommer 2016 war voller Inspiration. Ich habe die alte griechische Mysterienstätte in Ephesos besucht – ein sehr eindrücklicher Ort. Dort konnte ich meine Ideen zu Ita Wegman innerlich vertiefen, mit meinem Exposé schließen und das erste Treatment entwickeln. Wir haben umfangreiche Interviews mit  Redakteuren von Fernsehsendern und Vertrieben geführt, erste Kontakte in Richtung von Werbetreibenden und potentiellen Berichterstattern über den Film geknüpft. Zudem haben wir uns im Gespräch mit Regisseuren und Produzenten beraten lassen, was es aus ihrer Sicht für die professionelle Durchführung eines solchen Fimprojektes zu bedenken gibt.
 Im Herbst dann der Glücksfall: der Produzent Hartmut Schwenk von Schwenk Film GmbH ist mit im Boot. Ita Wegmans Biographie lässt sich aus verschiedenen Blickwinkeln erzählen. Die letzten Monate haben gezeigt, dass Hartmut Schwenk und ich eine gemeinsame Perspektive erarbeiten können. Das europaweite Schaffen Ita Wegmans eröffnet bei den TV-Sendern und Filmförderungen die Möglichkeit einer internationalen Koproduktion. Bis zum Frühjahr wird der Finanzierungsplan geschlossen und die Präsentation des Projekts bei Sendern vorbereitet. Der nächste große Schritt ist die Erarbeitung eines Szenarios.

Aktuell ergänzen wir den Filmstoff um Aspekte, die Rudolf Steiner und die Anthroposophie betreffen. Deshalb wollen wir den Beirat ebenfalls um Menschen aus verschiedenen Lebensfeldern der anthroposophischen Arbeit erweitern. Ein erstes, vorbereitendes Treffen findet im Januar 2017 statt.

Ich freue mich sehr darauf.
Ruth Bamberg im Dezember 2016